Prof. Dr. Jörg Engelbert
Prof. Dr. Jörg Engelbert
Projektleiter
Nationalitätenpolitik und Missionierung im Hochland von Tây Nguyên

Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg
Abteilung für Sprachen und Kulturen Südostasiens
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Nationalitätenpolitik und Missionierung im Hochland von Tây Nguyên

Christliche Missionierung im Hochland Indochinas begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Forschungsgebiet wie auch in anderen Dschungel- und Hochlandgebieten der Region Südostasien bestehen seit der Kolonialzeit Probleme der Migration von Mehrheitsbevölkerungen in ursprüngliche Minderheitengebiete sowie des Kampfes ethnischer Minderheiten um ökonomische, soziale und kulturelle Rechte, die in einem engen Zusammenhang stehen mit der christlichen Missionierung. Religion trat und tritt als Instrument und Vermittler von Moderne auf in einem Prozess der allseitigen kulturellen Modernisierung, dem diese Gebiete und die dort lebenden Völker unterworfen waren und sind. Das Teilprojekt stellt sich das Ziel, anhand von zwei ausgewählten Beispielen zwei spezifische Missionsstrategien und ihr Verhältnis zur Politik des Staates in historischer Kontinuität miteinander zu vergleichen, wobei Konflikte und Konfliktlösungsstrategien in ihrer historischen Entwicklung aufgezeigt werden, die bis heute Ausformungen des politischen Bewusstseins und der religiösen Praxis der Hochlandgesellschaften im Verhältnis zu den aus dem Tiefland stammenden Viêt und den nationalstaatlichen Strukturen bedingen.

Akzeptanz der bzw. Widerstand gegen Einflüsse der Moderne, das Verhältnis von Religion und Nationalitätenpolitik sowie unterschiedliche Reaktionen auf das Christentum als ähnliche Reaktionen auf wahrgenommene Bedrohungen der eigenen kulturellen Identität in der kolonialen bzw. postkolonialen Zeit werden durch eine Betrachtung dieser historischen Entwicklung anhand von zwei typischen Beispielen in ihrer Komplexität und Vielfältigkeit deutlich. Ein Beispiel waren die verschiedenen Reaktionen der Hochlandvölker in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts auf wahrgenommene Bedrohungen ihrer Lebensweise und kulturellen Identität, die mit der kolonialen Erschließung und Missionierung verbunden waren. Bisher nicht ausgewertete französische staatliche und religiöse Archivquellen sowie Zeitzeugenberichte bilden die wichtigsten Quellen für dieses Beispiel.

Der postkoloniale Kontext wird vor allem durch die Wechselbeziehung zwischen den lokalen ethnischen Gemeinschaften einerseits sowie den vietnamesischen Migranten im Hochland andererseits als Träger ökonomischer und kultureller Modernisierungsprozesse hergestellt. Letztere treten auch als Vermittler auf zwischen den Hochlandvölkern und dem vietnamesischen Staat. Neue Dimensionen ergeben sich durch internationale Migrationsprozesse, etwa durch Hochlandflüchtlinge, die heute in den USA leben und dort religiöse, kulturelle und politische Organisationen gegründet haben. Die Missionierung der Hochlandgesellschaften Vietnams wurde so eingebunden in transnationale und globale Netzwerke. Für die Erforschung der postkolonialen Missionierung sollen vor allem amerikanische Archiv- und andere Quellen genutzt werden ebenso wie internationale und vietnamesische wissenschaftliche, offizielle, nichtoffizielle und Internetveröffentlichungen. Außerdem werden Interviews mit Zeitzeugen sowie Gespräche mit Fachkollegen geführt.