Khamvone Boulyaphonh, MA
Doktorand
Der laotische Sangha und die Moderne: ein buddhistisches Archiv aus Luang Prabang

Ban Nong Kham
Luang Prabang
Lao P.D.R.

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Der laotische Sangha und die Moderne: ein buddhistisches Archiv aus Luang Prabang

Zentrum des laotischen Buddhismus war und ist die alte Königsstadt Luang Prabang. Hier hielten sich die traditionellen Formen buddhistischer Praxis und monastischer Organisation am zähesten, ungeachtet der Herausforderungen durch französischen Kolonialismus, marxistische Heilslehren und kapitalistisches Konsumdenken (Rehbein 2007), mit denen die laotische Gesellschaft während des 20. Jahrhunderts konfrontiert war. Ungeachtet der geographischen Abgeschiedenheit der Stadt bedienten sich Mönche in Luang Prabang frühzeitig moderner Technologien wie der Fotografie, um das Klosterleben und die buddhistische Alltagspraxis zu dokumentieren. Insgesamt 35.000 Fotografien aus zwölf Klosterarchiven dokumentieren mehr als 120 Jahre monastischen Lebens, außerdem Rituale, Zeremonien, Pilgerreisen, Mönchsportraits und nicht zuletzt das soziale Leben in seinen vielfältigen Formen.

Das für ganz Südostasien einzigartige fotografische Korpus spiegelt ein für Laos schicksalhaftes Jahrhundert wider. Phra Khamchan Virachitto (1920–2007), Abt des Klosters Vat Saen Sukharam und Eigentümer der bedeutendsten Fotokollektion, hinterließ eine umfangreiche Korrespondenz, die er über Jahrzehnte hinweg mit Mönchen und Laien in Laos, Thailand und der laotischen Diaspora führte. Erst kürzlich ist eine umfangreiche Sammlung buddhistischer Texte, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts verfasst wurden, aufgetaucht.

Anknüpfend an frühere Arbeiten des Antragstellers (Grabowsky 2007) wird das Teilprojekt die gesellschaftliche und politische Rolle des laotischen Sangha rekonstruieren. Als wichtigste Primärquellen stehen neben der Datenbank des „Buddhist Archive of Photography in Luang Prabang/Laos“ (BAP) die Korrespondenzen von Phra Khamchan Virachitto und anderer religiöser Würdenträger zur Verfügung. Die Briefwechsel werden systematisch erfasst, ediert und auszugsweise übersetzt. Dazu kommt die Analyse der im BAP verwahrten Schrift-Dokumente des Sangha. Auch Quellen aus thailändischen und französischen Archiven werden erfasst. In einer zweiten Projektphase werden die ausgewerteten Quellen in Interviews mit buddhistischen Würdenträgern und Laien substantiviert.