Kristina Schneider, M.A.
Doktorandin

Institut für Ethnologie der Universität Göttingen
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Dissertationsprojekt – Geschlechtliche Performanz und dynamische Positionierungen junger Frauen im pluralen Indonesien (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt untersucht die soziale Praxis des doing genders von jungen Frauen im gesellschaftlichen Kontext Indonesiens zwischen Pluralisierung und Modernisierung/Globalisierung. Moralische Ordnungen entwerfen Idealvorstellungen von angemessener Weiblichkeit in Verbindung mit Modernität. Diese Diskurse definieren einerseits Frauen als passiv und zurückhaltend und konstruieren andererseits Ehebruch oder voreheliche Verbindungen als entweder nicht existent oder aber unmoralisch. Jungen Frauen wird daher diskursiv agency abgesprochen und viel der täglichen Praxis der Frauen wird stigmatisiert bzw. moralisiert. Gleichzeitig vermitteln die aktuelle Jugendkultur und populäre junge Medien positive Bilder jugendlicher Romantik und verführerischer Weiblichkeit, so dass die Verhandlung der unterschiedlichen Aspirationen zwischen religiös und moralisch-Sein und modern-Sein zur Gradwanderung des doing genders, in der unterschiedliche Aspekte variabel und kaleidoskop-artig zusammen gesetzt werden.

Mein Forschungsprojekt analysiert, welche Vorstellungen und Erwartungen an junge indonesische Frauen in der sozialen Praxis in unterschiedlichen sozialen Räumen und Kontexten (Alltag, medial) herangetragen werden und wie sie ihre gender Position gestalten. Das bedeutet auch die Aushandlungen dieser Frauen der in modernen Diskursen artikulierten Ideale von Weiblichkeit mit nicht den Idealen entsprechenden Vorstellungen von Weiblichkeit zu untersuchen. Außerdem wird analysiert wie diese pluralen Weiblichkeitsvorstellungen in der sozialen, medialen und religiösen Praxis dynamisch verbunden und verhandelt werden. Dabei fokussiere ich die dynamischen Positionierungen und die Machtverhältnisse in den unterschiedlichen Räumen, sowie das Selbstverständnis junger Frauen durch eine multi-lokale und auf die AkteurInnen zentrierte ethnologische Feldforschung. Ziel der Forschung ist dabei, die soziale Praxis der AkteurInnen in konkreten Handlungsräumen zu untersuchen und zu zeigen, wie unterschiedliche gesellschaftliche Akteure mit modernen Werten und resultierenden Vorstellungen und Erwartungen an sie umgehen. Ein weiterer Fokus wird auf die Wirkung von nationalen und lokal relevanten und globalen Diskursen in die soziale Praxis gelegt. Die Analyse des Materials gibt ebenfalls Aufschluss darüber, wie gesellschaftliche Transformationen zwischen Pluralisierung und Modernisierung von jungen Frauen empfunden werden bzw. sich auf sie auswirken.